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Blogpost: Snargle Goldklaue: Unverblümt und unzensiert

ArenaNet gewährt uns einen Einblick hinter die Kulissen. Wie ist Snargle Goldklaue enstanden? Und wie kommt es das ein Charr schlüpfrige Romane schreibt. Das berichten sie uns in ihrem neuesten Blogpost.

Snargle Arborstone

Snargle Goldklaue: Unverblümt und unzensiert

Snargle Goldklaue ist ein skuriler Charakter der im laufe der Geschichte immer wieder im Hintergrund auftaucht. Erst in End of Dragons waren wir dabei, als er sich mit seinem Verleger Krippo über seine Romane in die Wolle bekam.

Das die Entstehung dieses Charakters aber ein reiner Zufall war und es eine lustige Geschichte um ihn gibt wusste bisher keiner. Jetzt hat aber ArenaNet einen Blogpost veröffentlicht, der uns tiefere Einblicke in die Entwicklung bei ArenaNet gibt. Und dabei erzählen sie uns alles rund um den sympathischen Charr.

Blogpost

Snargle Goldklaue: Unverblümt und unzensiert

von Connor Fallon am 10. Juni 2022

Snargle Arborstone

Manchmal, wenn man an einer großen, fortlaufenden Gedankenwelt arbeitet, kommen Ideen ins Rollen wie eine Lawine. Ein kleiner Tropfen an der Fensterscheibe gewinnt an Masse, und schon geht aus einem Schwall zusammengewürfelter Metaphern ein Charakter hervor, der zu einer Lieblingsfigur der Fans wird. In Guild Wars 2 gibt es wenige Charaktere, die so eingeschlagen haben wie Snargle Goldklaue, der Urheber von Tyrias erlesenster „Literatur“.

In diesem Blog werde ich, Connor Fallon (Senior Game Designer und gelegentlich Hilfsautor für Guild Wars 2: End of Dragons™), die gemeinschaftliche Entwicklung darlegen, die Snargle Goldklaue zu dem Charr machte, der er heute ist. Er vereint in sich viele Leute und viele Leidenschaften – ein wahrer Botschafter der Liebe.

Bescheidener Ursprung

Im Sommer 2018 arbeiteten wir hart an der Episode „Unser Leitstern“ aus Staffel 4 der Lebendigen Welt. Diese Episode schloss die Joko-Storyline ab, ein beliebter Charakter kam ums Leben, und Kralkatorrik kehrte mit Gebrüll in die Geschichte zurück. Insgesamt ging es ziemlich ernsthaft zu. Aber es gab da auch eine Sequenz, in der man von außerirdischen Pilzen ein bisschen verrückt wird.

Eines Tages besprach ich mit unserer Teamleiterin Heather Conover etwas, das bestimmt sehr bedeutsam war, aber längst in Vergessenheit geraten ist. Wichtig daran ist jetzt nur, dass sie sich dabei vertippte und statt „Kralkatorrik“ „Kralkatorrid“ schrieb. Torrid bedeutet so viel wie „heiß“. Wenn ich das jetzt so tippe, merke ich, dass D und K auf der Tastatur weit auseinander liegen. Da war wohl die Hand des Schicksals im Spiel.

Connor: „Hahaha, eine Kralkatorrid-Affäre.“
Heather: „Hah! Zum Schießen.“
Connor: „ … Jetzt habe ich richtig Lust, ein Buch mit dem Titel ‚A Kralkatorrid Affair‘ zu schreiben.“ (In der deutschen Version wurde daraus „Immer Ärger mit Kralkatorrik“.)

Na ja, ein ganzes Buch hätte wohl den Rahmen gesprengt. Aber wenigstens eine Seite davon habe ich verfasst! Und dann hat die echte Autorin Lily Yu den Text umgeschrieben und immens verbessert.

Lizenz zum Lieben

Lily und ich gaben dem vorgetäuschten Autor des vorgetäuschten Buchs einen Namen: Snargle Goldklaue. Ich hatte beschlossen, dass er ein Charr sein müsste (es macht manchmal Spaß, dem eigenen Typus entgegengesetzt zu spielen), und dieser Künstlername erschien mir passend für einen Charr-Schriftsteller, der Romanzen verfasst.

Samantha Wallschlaeger—Lead Writer für „Unser Leitstern“—hatte nichts gegen ein bisschen schlüpfrige Romantik (später schrieb sie auch noch „Schicksalsschwur“ für das Promo-Magazin von „Die Eisbrut-Saga“). Sie wollte aber erst sicherstellen, dass es in Ordnung war, Guild Wars 2 ein bisschen pikant aufzupeppen. Auf ihre Bitte hin holte ich mir die Zustimmung von ganz oben – vom damaligen Game Director Mike Zadorojny.

Nachdem ich Mike unterbreitet hatte, dass wir ein Buch mit dem Titel „A Kralkatorrid Affair“ in Guild Wars 2 unterbringen wollten, legte er nur den Kopf schief und starrte mich gut zehn Sekunden lang an. „Na klar“, sagte er schließlich. „Ihr müsst nur … dafür sorgen, dass es nicht vom Rest der Episode ablenkt.“

Wie gewünscht versteckte ich also das Buch hinter einem Tisch im Pakt-Lager. Es dauerte ungefähr einen Monat, bis es tatsächlich jemand fand.

Immer ärger mit Kralkatorik Buch

So begann eine kleine Tradition: mit jeder Karte wurde ein Auszug aus einem Roman veröffentlicht und ohne jegliche Hinweise versteckt. Jedes Buch stellte einen aufregenden Grenzgang der romantischen Facetten von Tyria dar. Für jene, die wussten, wonach sie suchten, etablierte sich Snargle schnell als wiederkehrendes Easter Egg, nach dem man suchen konnte – witzige zusätzliche Inhalte ohne weitere Bedeutung.

Diese Struktur wurde über einige Episoden beibehalten, und dann kam nach Staffel 4 Die Eisbrut- Saga. Während dieser Zeit entwarf ich einige völlig nicht-kanonische Einzelheiten zu diesem Charakter – dass er tatsächlich an die Macht der Romantik glaubte, mit einer Sylvari verheiratet war und fünf menschliche Adoptivkinder hatte. Aber dann kamen wir zu „Geflüster im Dunkeln“, und alles wurde ganz anders.

Goldklaues Ableben

Mit „Geflüster im Dunkeln“ kam wieder eine neue Karte, also war es auch Zeit für einen neuen Roman von Snargle. Da ich die allgemeinen Themen der Geschichte kannte, entwarf ich einen neuen Auszug über einen Svanir, der seine Glaubenssätze in Frage stellte: „Schwanengesang“. Schließlich könnte nichts romantischer sein, als sich von einem Altdrachen-Kult loszusagen.

Es gab nur ein Problem: „Geflüster im Dunkeln“ war durch und durch eine Horror-Episode. Mehr als in jedem anderen Release passte Snargle hier überhaupt nicht zur vorherrschenden Atmosphäre. Und, egal wie viel Spaß wir mit Snargle hatten, es war immer noch wichtig, dass seine Werke nicht vom Kern dessen ablenkten, was wir vermitteln wollten.

Zum Glück fand Samantha &mdashonce again the lead writer for the episode—eine Lösung. „Ich könnte doch einfach … den Schluss ein bisschen ändern? Sodass es gruselig wird. Als würde er während des Schreibens unter Jormags Einfluss geraten.“

Das war ein sehr guter Plan. Ich hatte nur ein wenig Bedenken: „Würden die Leute nicht annehmen, er sei gestorben?“

„ … Neeeeeiiiiiiiiin.“

Geehrte Jury-Mitglieder, hier präsentiere ich euch den Eintrag für „Schwanengesang“ aus dem englischen Wiki, kurz nach der Veröffentlichung:

Der Name ist [a] vermutlich ein von „Svanir“ abgeleitetes Wortspiel. Außerdem handelt es sich, basierend auf Inhalt und Schauplatz, höchstwahrscheinlich um Snargles letztes Buch.

Die Leute nahmen wirklich an, er sei gestorben.

Snargle kämpft sich zurück

Bonnie und Snargle

Aber Snargles Geschichte konnte doch nicht dort enden! Er war schon so weit gekommen und hatte noch so viel Liebe zu verbreiten! Mit Tränen in den Augen [Anmerkung des Autors: bildlich gesprochen] lief ich zu Joe Kimmes, dem Lead für „Stahl und Feuer“. In diesem Release sollte das „Auge des Nordens“ eingeführt werden, ein Anlaufpunkt für Spieler, der gleichzeitig unsere nächste neue Karte darstellte. Ich fragte ihn, ob wir nicht etwas tun könnten, um den armen Snargle zu retten.

„Na ja“, meinte Joe, nachdem er ein bisschen herumgefragt hatte. „Es ist noch was vom Voiceover-Budget übrig. Wäre es nicht cool, wenn er als Charakter auftreten würde? Wir könnten es zur optionalen Zielvorgabe machen, all seine Romane zu finden.“

Also baten wir Kwan Perng, den Autor von „Stahl und Feuer“ und meinen späteren Komplizen bei Guild Wars 2: End of Dragons, sich daran zu versuchen. Ich glaube, uns allen war nicht klar, was wir damit entfesseln sollten.

Kwan tobte sich so richtig aus. Es stellte sich heraus, dass Schriftsteller viel über das Schreiben zu sagen haben, und Snargle sprach vor allem von Romantik und wie wichtig es doch ist, Liebe zuzulassen. Fred Tatasciore (der auch Kralkatorrik seine Stimme leiht) nahm sich der Rolle mit Vergnügen an. Kwan führte auch die erste richtige Erweiterung von Snargles Welt ein – seine Schülerin Bonnie, deren zynische Ansichten ein schönes Gegengewicht zu Snargles … Überschwang bilden. Sie wird von Nika Futterman verkörpert, die auch die Stimme von Aurene ist!

Die Spieler fanden Snargle äußerst bemerkenswert. Plötzlich war er viel mehr als nur ein Easter Egg. Er war ein richtiger Charakter, der seine eigenen Beziehungen und Wünsche mitbringt.

Eine kleine Auszeit

An diesem Punkt konzentrierten Kwan und ich uns mehr auf die Handlung von Guild Wars 2: End of Dragons. Wir wussten, dass man nichts übertreiben soll, deshalb wollten wir nicht zu sehr auf Snargle, äh … herumreiten. Die Handlung von Die Eisbrut- Saga wurde sowieso immer düsterer; es wurden Anführer ermordet und Kriegsverbrechen begangen, was sich mit seinem Charakter schlecht vereinbaren ließ. Also schrieb Erin Amschlinger einen letzten anzüglichen Auszug für die Nieselwald-Küste – sozusagen Snargles letztes Wort in der Saga.

Aber wir wollten Snargle auch nicht komplett auf Eis legen. Im Lauf des folgenden Jahres veröffentlichten Joe und ich weiterhin zusammen Romane in einem Umfeld, in dem es garantiert immer unbeschwert zuging: bei den saisonalen Festivals. Senior QA-Tester Caspian Priebe schrieb als Gastautor „Ein Herz fassen“, eine fantastische Erweiterung von Snargles Lebenswerk.

In der Feiertagssammlung wurde gelegentlich mit Absicht das Format durchbrochen. Seltsamerweise stellte Snargle den Roman für das Mondneujahr – „Himmlische Körper“ – niemals fertig. Er gab an, keine aktuellen Informationen zu besitzen. Und es war Bonnie, die den Vertrag für SUPER ADVENTURE BOX: DER OFFIZIELLE ROMAN ergattern konnte und daraus eine überraschend düstere Geschichte machte. Man könnte meinen, Snargle hätte vielleicht gern von der verbotenen Liebe zwischen dem Krötenkönig und dem Waschbär-Bandenchef erzählt, oder so etwas in der Richtung.

Die Spieler ahnten vermutlich nicht, dass wir bereits das Grundgerüst für Snargles nächsten Handlungsbogen planten.

Auf Kollisionskurs in Cantha

Kippo und Snargel

Kwan und ich hatten eine allgemeine Vorstellung davon, was wir als Nächstes erzählen wollten, wenn wir uns wieder Snargle zuwandten: Er sollte von einem literarischen Rivalen in den Schatten gestellt werden und diesen Rivalen als ebenbürtig akzeptieren müssen, um sich selbst weiterentwickeln zu können. Wir stellten uns den Charakter als einen hochnäsigen Asura vor, den wir vorläufig den Großen Autor Kippo nannten. Wir wollten etwas Drama hineinbringen, indem Bonnie Snargle verließ und stattdessen Kippos Schülerin wurde. Kwan nannte diese Ideen „das erweiterte Snargle-Universum“. Aber wir diskutierten das alles nur am Rande; schließlich mussten wir uns auf die Handlung einer riesigen Erweiterung konzentrieren.

Inzwischen dachten Kirk Williford, Annie VanderMeer und Morgan Lockhart darüber nach, woraus die verschiedenen Sammlungen in Arborstein bestehen sollten. Sie wollten auf jeden Fall ein breites Spektrum von Themen abdecken, und eines davon, auf das sie sich gleich zu Anfang einigten, war „Kunst und Artefakte aus Cantha“. Also: was, wenn sie Snargle zurückholten und ihn die regionalen Kunstwerke erforschen ließen? Was, wenn er sich dabei mit einem einheimischen Tengu-Schriftsteller in die Haare geriet, der fand, dass er die Formsprache nicht zu würdigen wusste? Annie bestand außerdem darauf, dass Bonnie ihr eigenes Ding machen sollte – sie hatte sich schon lange genug mit hochnäsigen Schriftstellern herumgeschlagen.

Bei den weiteren Diskussionen im Studio stellte sich heraus, dass wir zwei völlig verschiedene Ideen zur Fortsetzung der Geschichte von Snargle Goldklaue entwickelt hatten, die aber beide völlig stimmig waren. War dies die Zerreißprobe für das Team? Würde eine Geschichte die andere in einem Sturm von Intrige und Verrat niederringen?

Aber nicht doch. Wir sind keine Seifenoper – wir sind eine Gruppe von Entwicklern, denen Zusammenarbeit alles bedeutet. Wir haben es also auf Snargles Weise gelöst! Wir haben diese beiden verschiedenen Konzepte … sozusagen miteinander verpaart und dabei die besten Elemente von beiden übernommen.

Bonnie wurde zu Snargles Rivalin, was der Konkurrenz besondere Tiefe und Bedeutung verlieh, und Kippo wurde zu dem schmierigen Verleger, den wir inzwischen alle kennen und lieben. Er erhält seine Stimme von Nolan North, der auch den männlichen Spielercharakter und Mordremoth spricht! Ich finde es lustig, dass alle Sprecher der Snargle-Saga gleichzeitig Alt-Drachen verkörpern.

Auch für Cantha haben wir eine Reihe von Büchern entworfen. Dabei hat Indigo Boock den mitreißenden Band „Blind vor Liebes-Eir-fer“ verfasst. Sicher weiß Braham diese Verneigung vor seiner Mutter zu schätzen und fühlt sich dadurch nicht gekränkt.

Wieder einmal haben die Autoren viel über das Schreiben zu sagen gewusst – viele Spieler haben das bemerkt, auch wenn es vordergründig um steinharte Bäume ging, die nach oben in den Himmel stoßen. Kwan hat das Grundgerüst der Sammlung vorgegeben, und Morgan verfasste Snargles besonders offenherzige Beiträge in Arborstein. (Während der Aufnahmen las Fred ein bisschen voraus im Text und kicherte in sich hinein. Wir hatten viel Spaß dabei.) Ich werde hier jetzt nicht die Sammlung in allen Einzelheiten vorstellen, aber falls ihr sie noch nicht durchstöbert habt, steht euch so einiges bevor.

Fazit

Snargle stellte zu Anfang einen winzigen Teil unseres Universums dar, der mit Absicht im Verborgenen existierte. Seine Bedeutung wuchs, als mehr Leute dazu beitrugen und neue Wege fanden, ihn mit Leben zu erfüllen. Ich liebe es, dass die Welt von Tyria all die Düsternis von Die Eisbrut- Saga und Guild Wars 2: End of Dragons umfassen kann und trotzdem Raum bleibt für Charaktere wie Snargle, die daraus erwachsen und wie selbstverständlich ihren Platz finden.

Wohnt nicht in uns allen irgendwie ein Snargle? Es ist nur gut, ihn ab und zu mal rauszulassen.

Schicksalsschwur als Buch
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Eyora

Eyora, mein Name kommt aus Fantasy-Romanen, da ich im Fantasy-Bereich stark aktiv bin. Aber als ein Kind der 80er, weiß ich schon gar nicht mehr, aus welchem Roman der Name kam, habe daher aber auch die gesamte Entwicklung der Spiele mit gemacht. GW2 spiele ich seit Release und treibe mich auf Tyria immer im PVE rum, da ich nach wie vor die Geschichten liebe. Für gemeinsame Abenteuer findet ihr mich Ingame unter Eyora.8196.

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