Kp. 1 – Waffenstillstand: Die Geschichte


Primordus erhebt sich

Rytlock und ich besuchten Bangars Zelle im Auge des Nordens. Doch Bangar war nicht nur unser Gefangener, sondern auch der des Eisdrachen. Der bezwungene Charr ist jetzt die Stimme des Jormag. In seiner Blütezeit konnte Bangar sich aus allem herausreden. Jetzt hat er Glück, wenn er überhaupt etwas sagen darf. Aurene hörte, wie Jormag sich mit Ryland brüstete, seinem Champion, und mit der Armee, die er zusammengeführt habe. Und Jormag sprach über die drohende Gefahr durch seinen Bruder, Primordus.

Unsere Gegner sind mächtig und zahlreich. Ich weiß nur, dass schaffen wir nicht allein. Wenn wir das Alt-Drachen-Problem lösen können, dann nur, indem wir mehr über ihre Schwächen herausfinden.

Taimi meldete sich aus rata Sum mit dem neuesten Stand ihrer Forschungen. Sie hatte Nebel-Risse und Ley-Linien beobachtet und versucht, Jormag aufzuspüren. Während der Eisdrache sich kaum sehen ließ, machte sie eine andere Entdeckung. Auf Drängen von Taimi und Aurene begab ich mich in die Heimatstadt der Asura. 

Am Tor traf ich Gorrik. Er beklagte sich über logistische Albträume im Zusammenhang mit seiner Fracht (vermutlich weitere Forschungsausrüstung – wer finanziert ihn eigentlich?). Er wies mich ins Zentrum der Stadt, wo ich mich mit dem Arkanen Rat treffen sollte. Zu meiner Überraschung war Ryland Stahlfänger, Jormags neuer Champion, von den Ratsmitgliedern eingeladen worden. Er war so arrogant und selbstsicher wie sein Meister, doch uns gingen allmählich die Möglichkeiten aus, und Primordus sammelte immer mehr Kraft. Er – und Jormag – brauchten asurische Fachkenntnis, um einen Weg zu finden, Primordus zu neutralisieren. So kam es zu einem beklommenem Waffenstillstand, da wir ein gemeinsames Ziel hatten: dem Feuerdrachen Einhalt zu gebieten. 

Keiner von uns war glücklich über die Wendung, die die Sache genommen hatte und wir alle waren misstrauisch, was Rylands Motive betraf. Ich schickte Braham hinab zu den Docks, um Gorrik bei seinem Frachtproblem zu helfen und hoffte, er könne dabei etwas Dampf ablassen. Zwischen Ryland und Braham steht es immer schlechter, seit der Charr dem Norn seinen Bogen gestohlen hat. Und irgendetwas sagt mir, dass die sache nicht glimpflich ausgehen wird, wenn alles gesagt und getan ist. 

Wir trafen Taimi im Labor für Erweiterte Metamystik, um über ihre Entdeckungen zu sprechen. Es gab spürbare Spannungen zwischen Rytlock und seinem entfremdeten Sohn und keiner von beiden gab sich Mühe, das zu verbergen. 

Taimi führt uns durch eine detailliertere Version ihrer Erkenntnisse. Während sie versuchte, Jormag auf die Spur zu kommen, stieß sie auf eine Serie von Beben, deren Anzahl und Intensität beständig wuchs. Das größte Ausmaß wurde unter Rata Sum selbst festgestellt. 

Doch ehe wir die daten auswerten konnten, kamen direkt vor dem Labor mächtige Zerstörer zum vorschein. Sie waren stärker denn je, und unermüdlich in ihrem Vorhaben, uns auszulöschen. Wir erledigten sie so schnell wir konnten und hörten gerade noch Braham Notruf von den Docks. Taimi konfigurierte das Portal, damit es uns direkt dorthin bringen konnte. 

Die Kämpfe im Hafen waren hart und wurden fast noch erbitterter, als Ryland und seine Frost-Legion auftauchten. Doch sie wollten sich nicht mit uns messen, sondern gingen auf die Zerstörer los. Gemeinsam räumten wir alle Wellen ab, die um uns herum hochkamen. Dann halfen wir denen vom Rat in ihrer Not. 

nach dem Blutbad machten sich Gorrik, Taimi und der Rat daran, diese neuen Zerstörer zu studieren, in der Hoffnung, ihre unterirdischen Bewegungen nachvollziehen zu können. Ryland bot an, ein Kontingent seiner Frost-Legion zum Schutz in der Stadt zu stationieren, doch sein Angebot wurde abgelehnt.

Neuigkeiten und Bedenken

Zurück im Auge des Nordens gab es einen weiteren verbalen Schlagabtausch zwischen Aurene und Jormag, der darauf bestand, dass es keinen anderen Weg aus der Lage gäbe, als Primordus zu töten. Der Eisdrache ließ uns auch wissen, er könne alles sehen und hören, das sein Champion mitbekam. Wir müssen also noch vorsichtiger sein, was wir in Rylands Nähe sagen. 

Aurene teilte mir ihre Besorgnis mit: Die Probleme in ganz Tyria würden bald viel schlimmer werden, wenn zwei wütende Alt-Drachen um Magie wetteiferten. Primordus wird bald erwachen und Jormag alles in seiner Macht tun, um die Oberhand zu gewinnen. Ich drängte Aurene, in den Kampf einzutreten, doch sie lehnte ab: Ihrer Ansicht nach könnte es alles noch weiter destabilisieren, wenn ein dritter Alt-Drache sich einmischte. Stattdessen schwor sie, sie werde uns vom Auge aus unterstützten. Ich hoffe, das reicht. 

Tyrias Verteidigung

Auf die dringenden Bitten Taimis machte ich mich auf in die Provinz Metrica, um die Zerstörer-Bedrohung abzuwehren. Mit Brahams Hilfe evakuierten wir die, die wir evakuieren konnten und taten unser Bestes, um die Verwüstung einzudämmen. Dann versicherte Taimi sich unsere Hilfe, um drachen-Forschungsdaten von tiefer in den Höhlen zu sammeln – alles in einem Versuch, Ryland und Jormag  mit Informationen auszustatten, die ihnen helfen würden, die Feuerdrachen-Bedrohung auszuschalten. Dieses “Bündnis” besorge mich. Keinem dieser beiden ist zu trauen. Dass meine Freundin das Offensichtliche so einfach übersehen würde, gab mir zu denken. 

Taimi versicherte mir, es sein in aller Interesse: “Gegner meines Gegners” und so weiter. Aber es wurde klar, dass sie und Braham sich hier nicht einig waren. Einfach ausgedrückt: Die Asura wollen Primordus tot und Braham will Jormag weg haben. Ich will das ganze Chaos bloß lösen. Ich erfuhr, dass Primordus und Jormag Geschwister sind, was erklären würde, warum wir sie gegeneinander richten müssen. Doch zuerst mussten wir mehr über sie erfahren, um ihre Schwächen nutzen zu können.

Wir folgten der Energiesignatur des Zerstörers bis an ihre Quelle – ein großes widerborstiges Vieh, das nicht sehr freundlich auf unsere Verfolgung reagierte. Es war ein langer Kampf, doch schließlich siegten wir. Das Glücksgefühl war allerdings kurzlebig, denn die Spannung zwischen Braham und Taimi kochte über. Sie gaben beide zu, die alt-Drachen zu fürchten, die ihre Heimat, ihre Völker bedrohten. Taimi kann ihre Gefühle nur so lange im Labor unter Verschluss halten, bis sie platzt. Und Braham… verändert sich. Das Gewicht der Prophezeiung, der Tod seiner Mutter. Die Misere seines Volkes. Das alles lässt ihn altern. 

Und jetzt ist er in der Lage, die Diener des Primordus zu fühlen. Fast wie ein geübter Jäger. Er versteht die Veränderungen, die er durchmacht, nicht recht. Ich hoffe nur, er bleibt bei Verstand.

Wachsame Quelle, eine Siedlung der Sylvari in der Brisbane-Wildnis, war das nächste Ziel der Zerstörer. Ich gesellte mich zu Caith, die mir half, die Angreifer abzuwehren und die Unschuldigen zu schützen. Ryland machte uns eine kurze Aufwartung und reichte uns eine helfende Hand. Da nicht genug Zeit war, meine Zweifel zu äußern, wischte ich meine Bedenken beiseite und beobachtete ihn die ganze Begegnung über genau. 

Caith und Ryland unterhielten sich unterwegs, ihre Unterhaltung war wie ein Gefecht mit Worten. Der junge Charr hatte Bangars Überzeugungskraft, doch seit er unter Jormags Einfluss stand, war seine Überzeugungskraft noch gewachsen. Er verglich sich mit ihr und nutzte ihre Nähe zu Altdrachen als Referenz. Der Unterschied ist, dass Aurene uns sein lässt, wer wir sind – und uns inspiriert, mehr zu sein. Jormag nimmt sich einfach, was er will und lügt, damit man es ihm willig gibt.

Sie debattierten über die Rollen ihrer jeweiligen Alt-Drachen im Gleichgewicht der Magie. Herrschaft gegen Ordnung. Ich konnte sehen, wie er nach Hinweisen fischte, die sein Meister gegen seinen Bruder verwenden könnte. Am Ende wurde klar, Aurene würde mich – und den Rest von Tyria – den Ausgang selbst entscheiden lassen, statt sich einzumischen. 

Caith und die Kristallblüte würden die Gaben, die Aurene ihnen gebracht hatte, bestimmt nutzten, um die Wunden der Welt zu heilen, doch Ryland und seine Frost-Legion würden jeden Vorteil, den sie kriegen konnten, gegen Primordus einsetzten. Dieses kleine “Bündnis” würde nur so lange halten, wie es ihm nutzte. 

Es dauerte nicht lang, da meldete sich Marjory. Sie und Jhavi von den Wachsamen kämpften gegen eine wachsende Anzahl Zerstörer draußen vor Löwenstein und die Lage wurde minütlich schlimmer. Ich erklärte mich bereit, sie auf den Gendarran-Feldern zu treffen, wo wir die Frontlinie außerhalb der Stadt hielten.

Bald geriet die Siedlung Ascalon unter Beschuss, daher begaben wir uns mit höchster Dringlichkeit dorthin. Das Dorf wurde von Zerstörern aller Art überrannt. Mit der Hilfe einiger Verbündeter bezwangen wir sie schließlich und nahmen das Dorf wieder ein. Marjory und Jhavi lieferten sich einen hitzigen Wortwechsel – der Kampf hatte ihre Geduld auf die Probe gestellt und sie waren sich prinzipiell uneinig, was wichtiger war: sich auf die Mission konzentrieren oder die Bedürftigen retten. Waren wir bereit, Unschuldige sterben zu lassen, wenn es bedeutete, den Krieg letztendlich zu gewinnen?

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